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Waschbär (Procyon lotor) in Baden-Württemberg


Foto: G. Stephan

Bestandsstatus: etablierter Neozoon, nicht gefährdet
Bestandstrend: stark zunehmend
Gewicht: 3,5 -12 kg
Kopf- Rumpf-Länge: 43 - 67 cm
Anzahl Junge: 2 - 8 (meist 3 - 5)
Paarungszeit: Januar/Februar
Setzzeit: April/Mai
Lebensweise: dämmerungs- und nachtaktiv, hält Winterruhe, Einzelgänger
Lebensraum: gewässerreiche Gebiete, alte Laubholzbestände mit Baumhöhlen, als Kulturfolger kann er auch in der Stadt leben
Nahrung: Allesfresser

Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Waschbär wurde erstmals 1960 in Baden-Württemberg nachgewiesen und hat sich mittlerweile im Südwesten etabliert. Die Tendenz seiner Ausbreitung ist zunehmend. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann der Siegeszug des Waschbären. So gab es gezielte Ansiedlungen im Bereich der Eifel, des Edersees und der Schorfheide. Vermutlich wurde die Art gezielt als „Pelzlieferant“ angesiedelt. Nur der Bestand um den Edersee (gegründet 1934) konnte sich allerdings etablieren und wurde zu einer Keimzelle der Waschbärverbreitung in Deutschland. Die zweite Keimzelle befindet sich im Osten Deutschlands. In Straußberg, östlich von Berlin in Brandenburg, verirrte sich 1945 eine Fliegerbombe in eine Waschbärfarm. Durch dieses Ereignis konnten etliche Tiere entkommen und begründeten die heutigen starken Vorkommen in Ostdeutschland.

Waschbären sind Generalisten und eher Sammler als Jäger. Sie sind flexible Allesfresser, die gewässerreiche Laub und Mischwälder bevorzugen. Strukturreiche Habitate sind besonders beliebt, die hohe Anpassungsfähigkeit dieser Art ermöglicht jedoch auch die Besiedlung von stark anthropogen geprägten Landschaften bis hin in den urbanen Raum. In den Epizentren der Verbreitung gehören Waschbären, wie vielerorts der „Stadtfuchs“, schon längst zum Siedlungsbild. Hier kann es zu Konflikten kommen, wenn die Tiere sich in Gebäuden einnisten und Schäden in Dachstühlen, vor allem an der Dämmung anrichten. In ausgewiesenen Waschbärregionen sollten daher entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Auch sind Schäden an Obstkulturen und Getreide bekannt.

Der Waschbär zeigt in der Bundesrepublik seit der Jahrtausendwende einen starken Streckenzuwachs. Die deutlich zunehmenden Jagdstrecken und die FE Umfragen weisen deutlich auf eine zunehmende Ausbreitung hin. So wurden im Jagdjahr 14/15 in Hessen 26.383 Waschbären erlegt und in Brandenburg 24.090, zehn Jahre zuvor (04/05) waren es in den beiden Bundesländern 9.615 respektive 4.593 Tiere. Auch in Baden-Württemberg ist ein stark zunehmender Trend ersichtlich, wenn auch auf deutlich niedrigerem Streckenniveau. Seit 1996 befindet sich der Waschbär in Baden-Württemberg im Jagdrecht. Lag die Strecke 04/05 noch bei 97 Stück, kletterte sie bis zum Jagdjahr 14/15 auf 941 Stück – eine Steigerung um fast das zehnfache im Vergleich zum Niveau von vor 10 Jahren! Gestützt wird die Streckenstatistik durch die FE Umfragen: vergleicht man die FE von 2006 mit der Umfrage von 2015 (WFS-Mitteilung 2/2016), zeigt sich, dass 2015 Waschbären aus 88% mehr Gemeinden gemeldet wurden als noch vor 10 Jahren. Besonders im Nordosten Baden-Württembergs ist ein starker Anstieg der Rückmeldungen ersichtlich. Damit wurde der Waschbär 2015 aus 40% aller Gemeinden Baden-Württembergs bestätigt.

Seit 2015 wird der Waschbär in der EU-Verordnung 1143/2014 als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung aufgeführt.

     Zur Entwicklung der Jagdstrecke und zur Verbreitung siehe Jagdbericht Baden-Württemberg

Literatur:
Arnold, J M, Greiser, G, Kampmann, S & Martin, I, 2013: Status und Entwicklung ausgewählter Wildtierarten in Deutschland. Jahresbericht WILD, DJV.
Deutscher Jagdverband e.V. 2016: DJV-Handbuch Jagd. DJV-Service GmbH, Bonn.
Elliger, A, Arnold, J, Linderoth, P, 2016: Jagdbericht Baden-Württemberg für das Jagdjahr 2014/2015, Hrsg. Landwirtschaftliches Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg (LAZBW). Wildforschungsstelle Aulendorf. Berichte der Wildforschungsstelle Nr.21.
Hohmann, U, 1998: Untersuchungen zur Raumnutzung des Waschbären (Procyon lotor) in Südniedersachsen unter besonderer Berücksichtigung des Sozialverhaltens. Dissertation Universität Göttingen, 153S.
Hohmann, U & Bartussek, I, 2001: Der Waschbär. Oertel und Spörer Reutlingen. 200 S. ISBN: 3-88627-301-6
Michler, F-U-F & Michler, B A, 2012: Ökologische, ökonomische und epidemiologische Bedeutung des Waschbären (Procyon lotor) in Deutschland - eine aktuelle Übersicht. - Beitr. Jagd- u. Wildforsch. 37: 389-397.
Stubbe, M, 1993: Waschbär. In: Handbuch der Säugetiere Europas, Band 5(1) Hrsg. Niethammer, J & Kapp, F. Wiesbaden, Aula Verlag, 331-364.

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