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Sikawild ( Cervus nippon ) in Baden-Württemberg

Foto: E. Marek

Bestandsstatus: etablierter Neozoon, nicht gefährdet
Bestandstrend: Zunahme
Gewicht: 30 - 60 kg ( nipponoide Form)
Kopf-Rumpf-Länge: 150 -180 cm ( nipponoide Form)
Schulterhöhe: 70 - 80 cm ( nipponoide Form)
Paarungszeit: Oktober/November
Setzzeit: Mai - Juli
Anzahl Junge: 1
Lebensraum: Wald, aber auch offene Landschaft, in Europa meist als Gatterwild, unproblematische Gatterhaltung
Lebensweise: tag- und nachtaktiv, lebt gesellig in Rudeln, Männchen auch Einzelgänger, bei Gatterhaltung sehr vertraut
Nahrung: Rauhfutterfresser, kann Schälschäden verursachen

Der aus Ostasien stammende Sikahirsch ist eng mit unserem heimischen Rothirsch ( Cervus elaphus ) verwandt und mit diesem fruchtbar kreuzbar. Man unterscheidet heute beim Sikahirsch zwei phänotypisch unterschiedliche Formen: eine größere, hortuloide Form, bei der Rothirsche eingekreuzt wurden und die vorwiegend aus Japan stammende, kleinwüchsigere nipponoide Form. In weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets in Ostasien wurde der Sikahirsch ausgerottet, da sein Bastgeweih als Potenzmittel in der chinesischen Medizin begehrt ist.

Die meisten der ab Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingeführten Sikahirsche stammen aus Japan. Auch das freilebende Vorkommen am baden-württembergischen Hochrhein gehört zu der kleineren nipponoiden Form, auf die sich die oben angegebenen Körpermaße beziehen.

Als "Fleckenhirsch" ähnelt Sikawild im Sommerkleid dem Damwild und weibliche Tiere der beiden Arten sind schwer auseinanderzuhalten. Unterscheidungsmerkmale wie die geringere Größe des Sikawildes oder ihr im Vergleich zum Damwild etwas kürzerer Wedel sind in der Praxis häufig nicht eindeutig bestimmbar. Ein typisches und unverkennbares Merkmal des Sikahirsches ist der etwa 5 cm unter dem Sprunggelenk der Hinterbeine befindliche weiße Haarfleck, der den Sitz der Fußdrüse markiert. Ausgewachsene, männliche Sikahirsche können dagegen sowohl von ihrer Geweihform als auch durch ihre meist dunkle Färbung („kleiner schwarzer Hirsch") von Damhirschen unterschieden werden.

Das grenzübergreifende Vorkommen am Hochrhein hat seinen Ursprung im 180 ha großen Gatter Rohrhof bei Küssaberg (Kreis Waldshut), das vom Züricher Fabrikant Bertschinger 1910 gegründet wurde. Zu Beginn des 2. Weltkriegs wurde das Gatter aufgelöst und die Tiere gelangten in die freie Wildbahn. War die Verbreitung anfangs noch auf den Hochrhein begrenzt, dehnte es sich ab den 1970er Jahren aus und bildete Ableger im Norden. Im Zentrum des Vorkommens am Hochrhein wurde der Bestand Mitte der 1990er Jahre noch auf ca. 700 Sika geschätzt, wovon ca. 60% auf die deutsche Seite entfallen. Nach der letzten Schätzung von 2007 hat sich das Verbreitungsgebiet im Kernvorkommen im Schweizer Südranden und dem deutschen Hochrhein weiter ausgedehnt mit einem Sikabestand von deutlich über 1000 Tieren. Daneben haben sich durch Abwanderung auf deutscher Seite neue kleinere Vorkommen in der Länge bei Geisingen mit 40-80 Tieren sowie bei St. Blasien und bei Fützen mit jeweils einigen wenigen Tieren gebildet.

Besonders das Vorkommen bei St. Blasien mit seiner Lage inmitten des Rotwildgebiets Südschwarzwald ist aus wildbiologischer Sicht problematisch, denn Sikawild kann mit Rotwild bastardieren. 2007 wurden zwei Hirsche erlegt, einer im Südschwarzwald und einer im Kanton Aargau, die Merkmale von Hybriden aufwiesen. Phänotypisch wiesen sie die Merkmale von Sikahirschen auf (Fellfleckung, Geweihform), aber sie hatten fast das doppelte (82 bzw. 91kg) des normalen Gewichts von Sikahirschen am Hochrhein. Um eine Vermischung mit dem autochthonen Rotwild zu verhindern, müssen die Verbreitungsgebiete von Sika- und Rotwild strikt voneinander getrennt bleiben und Sikawild im Rotwildgebiet konsequent erlegt werden.

Eine Ausdehnung der Verbreitung ist auch aus forstlicher Sicht (Wildschäden) unerwünscht. Im Sikagebiet gab es die letzten Jahre immer wieder Probleme mit Wildschäden, vor allem durch Schälschäden in Laubholzbeständen. Auf deutscher Seite wurde im Bereich des Hochrheins eine Sikakommission gegründet und eine Reihe jagdlicher Maßnahmen eingeleitet, um den Bestand einzudämmen und die Wildschäden im Wald zu reduzieren.

   Zur Entwicklung der Jagdstrecke und zur Verbreitung siehe Jagdbericht Baden-Württemberg

Literatur:
EICK, E, KÖNIG, R, SCHWYN, G & BAUMGARDT, A, 1993: Sika (Cervus nippon) – Loseblattsammlung Int. Ges. Sikawild, 2 Bd,, Möhnesee-Körbecke.V,
KISTLER, R & SCHMID, B, 1995: Untersuchungen zur Sikahirschproblematik im Kanton Schaffhausen (CH). – Mitt. Natk. Ges. Schaffhausen, 40.
LINDEROTH, P, 2005: Sikahirsch (Cervus nippon). In: Braun, M & Dieterlen, H. (Hrsg): Die Säugetiere Baden-Württembergs, Bd 2, Ulmer Verlag, Stuttgart
PORST, P., 2007: Verbreitung, Status und Entwicklung des Sikahirsches in Baden-Württemberg. Diplomarbeit Forstz. Inst. Uni Freiburg.

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