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Rotwild (Cervus elaphus) in Baden-Württemberg

Foto: E. Marek

Bestandsstatus: schrumpfende Verbreitung, Vorwarnliste 
Bestandstrend: abnehmend
Gewicht: 55 -  160 kg
Kopf- Rumpf-Länge: 150 - 210 cm
Schulterhöhe: 90 - 124 cm
Anzahl Junge: 1
Paarungszeit: September / Oktober
Setzzeit: Mai / Juni
Lebensweise: ungestört tag- und nachtaktiv; weibliche Tiere mit Kälbern in Rudeln, Hirsche ausserhalb der Brunftzeit in separaten Hirschrudeln oder einzelgängerisch; wo möglich: jahreszeitliche Wanderungen
Lebensraum: grasreiche Landschaften und ausgedehnte Waldgebiete bzw. Dickungen mit eingestreuten Freiflächen
Nahrung: Gräser und Kräuter, Zweige, Blätter und Triebe von Bäumen

Das Rotwild ist das größte in freier Wildbahn vorkommende Säugetier Deutschlands.

Nach den fossilen Funden in Mauer bei Heidelberg (Rhein-Neckar-Kreis) sind Frühformen von Cervus elaphus ( C. elaphus priscus Soerg.) schon zur Zeit des ersten europäischen Menschen Homo heidelbergensis in Baden-Württemberg aufgetreten. Historischen Quellen zufolge war der Rothirsch bis ins 18. Jahrhundert überall im Land verbreitet. Nach den Jagdberichten aus der Zeit der höfischen Jagd kam Rotwild bis Ende des 18. Jahrhunderts im ganzen württembergischen Raum vor. Verbreitungsschwerpunkte lagen in den herzöglichen Forsten im weiteren Umkreis von Stuttgart (Forsten Tübingen, Leonberg, Böblingen) und des Westabhangs der Schwäbischen Alb (Forsten Urach und Kirchheim). Im Voralpenraum und Oberschwaben war der Rothirsch noch im 18. Jahrhundert überall verbreitet und wurde erst im Laufe des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Der autochthone Rotwildbestand im Gebiet der fürstenbergischen Standesherrschaft auf der Baar und in angrenzenden Teilen des Südschwarzwalds erlosch durch menschliche Verfolgung Mitte des 19. Jahrhunderts. Das heutige Vorkommen im Südschwarzwald geht auf eine Aussetzung von Rotwild aus dem Erzgebirge im Jahr 1938 zurück.

Einschneidende Folgen für den Rotwildbestand hatte die Revolution 1848/49, durch die der Adel, der die Wildhege ohne Rücksicht auf Wildschäden betrieben hatte, seine jagdlichen Privilegien verlor. Durch den landesweit angeordneten Totalabschuß in Verbindung mit einer starken Zunahme der Wilderei wurde das Rotwild überall im Land bis auf geringe Restbestände dezimiert, z.B. im einstigen Hofjagdrevier Schönbuch auf 25 Stück und in der Adelegg auf 10 Stück. Zwar konnte sich das Rotwild von diesem Bestandestief in einigen Gebieten wieder erholen, aber die Vorkommen auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben sind seit dieser Zeit erloschen.

Die heutige Art der Rotwildbewirtschaftung in Form amtlich ausgewiesener Rotwildgebiete geht auf das Reichsjagdgesetz zurück. 1934 wurden in Baden-Württemberg die Rotwildgebiete "Schwarzwald", "Odenwald", "Schönbuch" und "Allgäu" festgelegt. Zwar sind diese Gebiete von ihrer Ausdehnung nicht identisch mit den heutigen Rotwildgebieten, aber der Status Quo der Verbreitung des Rotwildes im Land wurde dadurch im wesentlichen festgeschrieben. 



     Zur Entwicklung der Jagdstrecke und zur Verbreitung siehe Jagdbericht Baden-Württemberg



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