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Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-Württemberg

Foto: E. Marek

Bestandsstatus: nicht gefährdet
Bestandstrend: deutliche Zunahme
Gewicht: 5 -10 kg
Kopf-Rumpf-Länge: 60 - 80 cm
Paarungszeit: Januar/Februar
Setzzeit: März/April
Anzahl Junge: 1 - 12, im Mittel 5
Lebensraum: Kulturland, Wald, zunehmende Verbreitung im menschlichen Siedlungsbereich
Lebensweise: vorwiegend nacht- und dämmerungsaktiv; territorial; lebt bei geringer Dichte solitär, bei hoher Dichte in Familiengruppen (ein Rüde und mehrere Fähen)
Nahrung: Allesfresser, aber vorwiegend tierische Nahrung wie z.B. Kleinsäuger, Regenwürmer, Aas oder menschliche Abfälle. Seine Hauptbeute sind Mäuse, aber er ist bei uns als Nahrungsopportunist nicht vom Mäuseangebot abhängig wie z.B. in Nordeuropa


Seit jeher gilt der zur Familie der Hundeartigen zählende Rotfuchs als Inbegriff der List und Gerissenheit (vgl. z.B. Goethe’s Fabel „Reineke Fuchs"). Viele der ihm angedichteten Verhaltensweisen sind zwar frei erfunden, aber zweifellos gehört der Fuchs zu den lern- und anpassungsfähigsten Säugetieren unserer Heimat. Seine sprichwörtliche Findigkeit bei der Nahrungsbeschaffung („Fuchs du hast die Gans gestohlen) stellt er auch heute noch unter Beweis, indem er z.B. selbst in gut gesicherte zoologische Gärten eindringt und exotisches Federvieh erbeutet. Zwar muß der Fuchs im heutigen Zeitalter der Massentierhaltung auf Hausgeflügel meistens verzichten (Wildschäden), aber das hat ihm nicht geschadet. Denn während viele Tierarten (z.B. Hase, Rebhuhn) als Folge des Lebensraumschwundes in der Kulturlandschaft abgenommen haben, ist der Fuchsbestand in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Das Nahrungsangebot für den Fuchs ist in der Kulturlandschaft nahezu unerschöpflich. Entscheidend beeinflusst wurde diese Bestandszunahme durch die seit Mitte der 1980er Jahre flächendeckend durchgeführte Schluckimpfung des Fuchses gegen die Tollwut mit speziellen Impfködern. Aufgrund der Impfaktionen ist Baden-Württemberg seit April 1996 tollwutfrei. Die für Mensch und Haustier zweifellos positive Zurückdrängung der Tollwutgefahr hatte auch ungewollte Folgen für die Populationsdynamik des Fuchses. Denn mit dem Wegfall des Mortalitätsfaktors Tollwut, deren zyklische Seuchenzüge früher bis zu 50% des Fuchsbestandes hinweg gerafft haben, ist ein wirksamer natürlicher Regulationsfaktor der Fuchspopulation entfallen. Als Folge der Impfkampagnen sind die Fuchsbestände ab den 1990er Jahren nicht nur in Deutschland und Baden-Württemberg deutlich angestiegen, sondern z.B. auch in der benachbarten Schweiz innerhalb von 10 Jahren um mindestens 400%.Nach der Jahrtausendwende sind in Baden-Württemberg zwar zunehmend andere Krankheiten (Staupe, Räude) als Mortalitätsfaktoren beim Fuchs aufgetreten, aber diese haben einen geringeren Einfluss auf die Fuchsdichte als die Tollwut.

Die Zunahme wird besonders in den Städten deutlich, die in den letzten Jahren verstärkt vom Fuchs besiedelt wurden - eine ähnliche Tendenz, die auch bei anderen Kulturfolgern (z.B. Steinmarder, Wildschwein) festzustellen ist. Viele Menschen reagieren verunsichert auf die neuen Nachbarn, die als Anpassung an den urbanen Lebensraum zunehmend ihre Scheu vor der allgegenwärtigen Menschenpräsenz verlieren. So wurde z.B. in Stuttgart die Polizei gerufen, weil am hellen Tag an einer Straßenbahnhaltestelle ein Fuchs saß, der sich auch durch laute Rufe nicht vertreiben ließ und so die Fahrgäste am Aussteigen hinderte. Man wird sich an Begegnungen mit dem Fuchs in der Stadt gewöhnen müssen. In England, wo das Phänomen der Stadtfüchse bereits seit den 1970er Jahren bekannt ist, erreicht der Fuchs die höchsten Dichten nicht in natürlichen Lebensräumen, sondern im städtischen Bereich (bis 10 Füchse/100 ha). Er ernährt sich dort hauptsächlich von menschlichen Abfällen und es ist unwahrscheinlich, dass diese Nahrungsquelle versiegen wird.

Die Bejagung des Fuchses wird in den letzten Jahren zunehmend kontrovers diskutiert. Eine verbreitete Idealvorstellung ist, dass sich der Fuchs ohne Jagd natürlich regulieren würde. Dabei wird übersehen, dass wir beim Fuchs von natürlichen Verhältnissen weit entfernt sind, weil durch die europaweit erfolgte Massenimpfung der effektivste natürliche Regulierungsmechanismus des Fuchses – die Tollwut – eliminiert wurde. Dadurch wurde die ohnehin starke Stellung des anpassungsfähigen Opportunisten in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft zulasten seiner weniger anpassungsfähigen Beutetiere nochmals vergrößert. Verlierer sind insbesondere die Offenlandarten. Durch zahlreiche ornithologische Studien ist belegt, dass der Prädationseinfluss des Fuchses für viele bedrohte Bodenbrüter im Offenland (z.B. Großtrappe, Kiebitz, Gr. Brachvogel, Bekassine, Rotschenkel, Uferschnepfe) bestandsbedrohende Ausmaße erreichen kann – selbst in Schutzgebieten mit optimalen Lebensräumen für die geschützten Zielarten. Jagd ist nicht in der Lage, großräumig die Fuchsdichte zu senken. Aber das ist auch gar nicht das Ziel, sondern durch ein jagdliches Prädationsmanagement soll lokal die Fuchsdichte soweit reguliert werden, dass die Prädationsverluste seltener Arten das für ihre Erhaltung erforderliche Niveau nicht unterschreiten.

Eine intensive Fuchsbejagung ist auch aus seuchenhygienischer Sicht sinnvoll. Füchse sind anfällig für Staupe, eine durch den Staupevirus (CDV) hervorgerufene Erkrankung, von der auch andere Fleischfresser (Marderhund, Marderartige, Waschbär) betroffen sind. Der Staupevirus kann vom Fuchs auch auf ungeimpfte Hunde oder Katzen übertragen werden, nicht aber auf Menschen. Eine weitere, für den Fuchs (und Hunde) gefährliche Krankheit ist die durch Milben übertragene Räude, bei der sich die befallenen Tiere buchstäblich zu Tode jucken können. Der über Mäuse aufgenommene Fuchsbandwurm ist weniger für den Fuchs, als vielmehr für den Menschen (Fehlwirt) gefährlich. Baden-Württemberg gehört zu den Gebieten mit den höchsten Befallsraten bei Füchsen (>50%) in Deutschland. Allerdings ist die Ansteckungsgefahr der meldepflichtigen Krankheit für den Menschen sehr gering, wobei vorwiegend Berufsgruppen betroffen sind, die direkt mit Füchsen in Berührung kommen (Jäger) oder in Wald und Feld arbeiten (Landwirte, Waldarbeiter).

     Zur Entwicklung der Jagdstrecke und zur Verbreitung siehe Jagdbericht Baden-Württemberg

Literatur:
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Fesseler, M, 1990: Vergleich der Endemiegebiete von Echinococcus multilocularis und Tollwut in Mitteleuropa. Diss. Vet. Med. Fak. Univ. Zürich.
Linderoth, P, 2005: Fuchs (Vulpes vulpes). In (Hrsg. Braun, M & Dieterlen, F: Die Säugetiere Baden-Württembergs, Bd. 2: 392-409).
Macdonald, D, 1993: Unter Füchsen – eine Verhaltensstudie. – München (Knesebeck).
Salewski, U & Granke, O, 2016: Bruterfolg von Uferschnepfen in Schleswig-Holstein – Erste Ergebnisse aus dem Projekt LIFE-Limosa. In: Prädationsmanagement im Wiesenvogelschutz, Kleve 9./10.3.2016.
Seitz, J, 2001: Zur Situation der Wiesenvögel im Bremer Raum. Corax 18, Sonderheft 2: 55-66.
Tapper, S C, Potts, G R & Brockless, M H
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