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Rehwild (Capreolus capreolus) in Baden-Württemberg

 Foto: E. Marek

Bestandsstatus: nicht gefährdet
Bestandstrend: gleichbleibend
Gewicht: 20 - 30 kg
Kopf- Rumpf-Länge: 100 - 130 cm
Schulterhöhe: 60 - 75cm
Anzahl Junge: 2 (1 - 3)
Paarungszeit: Juli/August (Keimruhe bis Dezember)
Setzzeit: Ende April bis Anfang Juni
Lebensweise: in der Fortpflanzungszeit territorial; solitär oder in Weibchensippen; im Winter und vor allem im Feld auch in größeren Gruppen; tag- und nachaktiv, wenn ungestört
Lebensraum: Grenzlinienbewohner; bevorzugt abwechslungsreiche Feld-Wald-Landschaft; lichte unterwuchsreiche Wälder
Nahrung:

Kräuter, Gräser; Blätter, Knospen, Triebe und Früchte von Gehölzen (Konzentratselektierer)

 

Das Reh ist die kleinste Hirschart und das häufigste wildlebende Huftier in Deutschland. Mit einer Jahrestrecke auf Bundesebene von ca. 1 Million stellt es jagdlich die bedeutendste Art dar, auch in Baden-Württemberg. Es ist nicht an den Lebensraum Wald gebunden, sondern besiedelt auch großflächig offene Gebiete. Insbesondere im nord- und ostdeutschen Tiefland haben sich als Anpassung an die vom Menschen geschaffene "Agrarsteppe" reine Feldrehpopulationen gebildet, die ganzjährig im offenen Gelände leben. Die höchsten Dichten erreicht das Reh nicht in geschlossenen Waldgebieten, sondern als "Grenzlinienbewohner" im Übergangsbereich zwischen Wald und Feld. Optimale Lebensbedingungen findet Rehwild z.B. in den vom mosaikartigen Wechsel zwischen Wald, Feld und Wiesen geprägten Landschaften Oberschwabens oder der Schwäbischen Alb. Beim Rehwildprojekt Borgerhau der Wildforschungsstelle wurde mit einer Dichte von zeitweilig mehr als 100 Rehen pro 100 ha Wald die höchste, bislang im Freiland bekannte Dichte ermittelt. Auch auf großer Fläche findet das Reh in Baden-Württemberg gute Lebensbedingungen, denn in keinem anderen Bundesland werden so viele Rehe pro Flächeneinheit geschossen wie in Baden-Württemberg (4 Rehe pro 100 ha Jagdfläche, bzw. 11 / 100 ha Wald).

Das Reh war nicht immer so häufig wie heute. Historischen Jagdstrecken zufolge waren Rehe noch im 18. Jahrhundert relativ selten und nicht überall verbreitet. In allen Oberforstämtern Württembergs kamen zwischen 1770 und 1790 pro Jahr durchschnittlich nur 760 Rehe (376 - 1.015) zur Strecke (gegenüber einer mittleren Rotwildstrecke von 2.573/Jahr). Auch in den Jagdgebieten der Standesherrschaft des Hauses Fürstenberg im Südschwarzwald und auf der Baar (Gesamtfläche ca. 170.000 ha) wurde in dieser Zeit deutlich weniger Rehwild (1750 - 1772, mittlere Jahresstrecke 0,2 Rehe/100 ha Jagdfläche) als Rotwild (1727 - 1772, mittlere Jahresstrecke 0,48/100 ha Jagdfläche) erlegt. Erst mit dem Niedergang des Rotwildes setzte Anfang des 19. Jahrhunderts ein Anstieg der Rehwildstrecke ein. Zwischen 1803 und 1815 wurden in Württemberg im Durchschnitt jährlich ca. 1.700 Rehe, aber nur noch ca. 1.000 Stück Rotwild erlegt - das Reh war zur jagdlich bedeutendsten Schalenwildart geworden. Zu einem rasanten Anstieg des Rehwildbestandes kam es allerdings erst im 20. Jahrhundert. Man schätzt aufgrund der Streckenentwicklung der letzten 100 Jahre, daß sich die Rehbestände seitdem verfünffacht bis verzehnfacht haben. Bei dieser Entwicklung dürften verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben. Zum einen profitierte das Reh von dem größeren Nahrungsangebot als Folge der Intensivierung der Landwirtschaft und der bis in die 1980er Jahre betriebenen Fichtenwirtschaft im Wald (Schlagflora auf Kahlschlägen). Durch das Verschwinden der Waldweide und die Ausrottung des Rotwildes Mitte des 19. Jahrhunderts verringerte sich zudem die interspezifische Konkurrenz. Schließlich profitierte das Reh vom damals sich neu etablierenden Hegegedanken bei der Jagd, der sich u.a. in einer schonenden Bejagung äußerte.



     Zur Entwicklung der Jagdstrecke und zur Verbreitung siehe Jagdbericht Baden-Württemberg



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