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Luchs ( Lynx lynx ) in Baden-Württemberg

Foto: Archiv Wildforschungsstelle

Bestandsstatus: Einzelne männliche Tiere
Bestandstrend:
Gewicht: 16 - 30 kg
Kopf- Rumpf-Länge: 80 - 120 cm
Schulterhöhe: 50 - 60 cm
Anzahl Junge: 1 - 4 (Mittel 2)
Paarungszeit: Februar - April
Setzzeit: April - Juni
Lebensweise: überwiegend nachtaktiv, heimlicher Einzelgänger, sehr großer Raumbedarf (mittlere Reviergröße in der Schweiz ca. 100 km²)
Lebensraum: ausgedehnte Waldgebiete mit Deckung, meidet großräumig offene Gebiete
Nahrung: reiner Fleischfresser, Nahrungsspektrum reicht von der Maus bis zum Elch(kalb), bei uns Hauptbeute Reh, reißt auch Haustiere, insbesondere Schafe


Aufgrund von Weideviehverlusten (Wildschäden) wurde der Luchs früher als „Schädling" betrachtet und systematisch verfolgt. Zwischen 1638 und 1662 wurden allein in Württemberg 235 Luchse getötet. Um 1700 war der Luchs bei uns in der Ebene ausgerottet. Restbestände hielten sich bis Ende des 18. Jahrhunderts in wenig von Menschen besiedelten Rückzugsarealen im Schwarzwald. Der letzte Luchs Baden-Württembergs wurde im Dezember 1846 bei Wiesensteig auf der Schwäbischen Alb geschossen. Mehr als 140 Jahre galt der Luchs als ausgerottet, bis an Silvester 1988 ein überfahrener Luchs auf der A5 südlich von Freiburg gefunden wurde. Anfang der 1990er Jahre häuften sich die Sichtbeobachtungen von Luchsen im Schwarzwald. Im Sommer 1991 wurden bei Waldkirch nördlich von Freiburg vier Schafe vom Luchs gerissen. Im Juli 1991 wurde ein ca. einjähriger Jungluchs erschossen, der am hellen Tag auf einem Bauernhof bei Waldkirch ein Huhn riss. Nach einer Untersuchung des Kadavers handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Luchs aus Gefangenschaftshaltung. In der Folgezeit gab es immer wieder Beobachtungen von Luchsen, vorwiegend aus dem Schwarzwald. In den Jahren 2005 und 2006 hielt sich wahrscheinlich für längere Zeit ein Luchs im Donautal auf. Seine Anwesenheit wurde zwischen September 2005 und Juli 2006 mehrfach sicher durch Film- und Fotoaufnahmen und bestätigte Risse nachgewiesen. Wahrscheinlich wurde dieses männliche Individuum im Januar 2007 auf der A 8 bei Laichingen überfahren, wenngleich eine sichere Zuordnung aufgrund des schlechten Zustands des Kadavers nicht mehr möglich war. Bei diesem Tier handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Karpaten-Gehegeluchs. Nach dem Verkehrstod dieses Individuums konnten sechs Jahre lang keine sicheren Luchsnachweise im Land erbracht werden. Erst ab März 2013 konnte wieder ein Luchs nachgewiesen werden. Dieses Tier, ein 2-3 Jahre alter Kuder, wurde Anfang Juni 2013 stark abgemagert tot aufgefunden (Todesursache Hepatitis). Nach mehreren Schafsrissen im Frühjahr 2015 gelang es Mitarbeitern der FVA Freiburg, Anfang April 2015 einen männlichen Luchs an einem Riss im Schwarzwald zu fangen und zu besendern. Bei Wiederfangversuchen dieses Tiers wurde im März 2016 im Donautal ein zweiter Luchs (auch ein Kuder) besendert. Im Mai 2016 waren vier Luchse im Land anwesend, die höchste jemals bestätigte Anzahl seit Einführung des systematischen Monitorings. Anhand der Fellzeichnung, die charakteristisch für jedes Individuum ist, konnte die Herkunft der Luchse geklärt werden. Bei den seit 2013 in BW identifizierten Luchsen handelt es sich um männliche Tiere, die natürlich aus der Schweiz (vorwiegend aus dem Jura, aber auch ein Tier aus den Nordalpen) eingewandert sind. Die Besenderung bietet die Chance, weitere Erkenntnisse zum Raumverhalten und den Beutetieren (bislang überwiegend Rehe, wenige Gämsen und Schafe) des Luchses in Baden-Württemberg zu gewinnen.

Der Luchs gehört wie andere große Prädatoren zu den besonders konfliktträchtigen Tierarten, denn Befürworter und Gegner stehen sich hier diametral gegenüber. Hier bestätigt sich die These, dass Wildtiermanagement zu 10 % das Managen von Wildtieren und zu 90% das Managen von Menschen bedeutet. Dieser Aufgabe hat sich die FVA Freiburg gestellt und 2003 die AG Luchs gegründet mit Vertretern von Fachbehörden und verschiedener Verbände (u.a. Jagd, Naturschutz, Landwirtschaft, Forst, Tierhalter). In diesem Forum werden alle strittigen Fragen, die sich aus der Rückkehr einstmals ausgerotteter Großprädatoren ergeben, behandelt, um die Akzeptanz für diese Arten zu verbessern. Gleichzeitig wurde ein systematisches Monitoring für große Prädatoren aufgestellt. Jede Meldung von Luchs oder Wolf im Land wird von der FVA nach den internationalen SCALP Kriterien überprüft und bewertet (C1 hard facts bis C3 Sichtbeobachtung) link Luchsmonitoring.

Bitte unterstützen sie dieses Monitoring. Melden sie Beobachtungen, Fotofallenbilder, Spuren, verdächtige Risse oder andere Hinweise auf die Anwesenheit von Luchs oder Wolf möglichst zeitnah bei der FVA Freiburg unter Telefon: 0761/4018274 oder per e-mail: wildtiermonitoring.fva-bw@forst.bwl.de

Den jeweils aktuellen Stand der Luchsnachweise im Land und weitere Infos über die Art finden Sie auf der homepage der Luchs AG (www.ag-luchs.de).

Literatur:
Decker, D J, Brown, T L & Siemer, W F, 2001: Human Dimensions of Wildlife Management in North America. The Wildlife Society
Linderoth, P, 2005: Luchs (Lynx lynx). In Braun, M & Dieterlen, F (Hrsg): Die Säugetiere Baden-Württembergs, Bd. 2: 377-391, Ulmer Verlag, Stuttgart

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