Service-Navigation

Suchfunktion

Gamswild (Rupicapra rupicapra) in Baden-Württemberg

Foto: E. Marek

Bestandsstatus: nicht gefährdet
Bestandstrend: gleichbleibend
Gewicht: 25 - 40 kg
Kopf-Rumpf-Länge: 120 - 150 cm
Schulterhöhe: 70 - 90 cm
Paarungszeit: November/Dezember
Setzzeit: Ende April - Anfang Juni
Anzahl Junge: 1 - 2
Lebensraum: felsige Gebirge und Mittelgebirge mit Steilhängen, in Baden-Württemberg in Höhenlagen von 400 - 1.500 m
Lebensweise: häufig tagaktiv, lebt in Rudeln, alte Böcke sind Einzelgänger
Nahrung:

Pflanzenfresser, können lokal erhebliche Verbissschäden an jungen Waldbäumen verursachen

Entgegen weitläufiger Meinung ist die Gämse kein ausschließliches Hochgebirgstier wie der Steinbock, sondern sie kommt natürlicherweise auch in felsigen Mittelgebirgslagen vor. Zwar beruhen die heutigen Vorkommen im Kerngebiet im Schwarzwald auf einer Aussetzung in den 1930er Jahren im Feldberggebiet, aber daraus darf nicht geschlossen werden, dass sie hier nicht "hingehört". Denn es ist wissenschaftlich belegt, dass Gämsen noch in historischer Zeit die Mittelgebirge besiedelten, sie dort aber vom Menschen ausgerottet wurden, und zwar nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in angrenzenden Gebieten wie den Vogesen, im bayerischen Allgäu sowie den Schweizer Mittelgebirgen. Die Gams gehört zum natürlichen Arteninventar der felsigen Mittelgebirge wie der Kolkrabe oder der Wanderfalke. Auf der Suche nach neuen Einständen können Gämsen weite Strecken durch völlig ungeeigneten Lebensraum zurücklegen, um weit vom Hauptverbreitungsgebiet entfernte, isolierte Felsregionen zu besiedeln. Wasserläufe wie der Rhein oder selbst der Bodensee bilden für wandernde Gämsen kein Hindernis. So überquerte 1957 ein vierjähriger Gamsbock aus dem Schwarzwald den Rhein bei Karlsruhe und gelangte bis nach Weißenburg im Elsass, wo er dann als "Rehbock" geschossen wurde. Auch liegen Beobachtungen vor, dass wandernde Gämsen versuchten, den Bodensee zu durchschwimmen.

Als vorwiegend tagaktives Tier ist die Gams besonders von Störungen durch menschliche Freizeitaktivitäten betroffen, die in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Waren früher die Störungen noch weitestgehend kanalisiert und auf feste Routen beschränkt (Wanderwege, Loipen), so dringt der Mensch heute abseits der Wege mit Trendsportarten wie Mountainbiken, Klettern oder Querfeldeinlaufen bis in die letzten ungestörten Bereiche vor und hat mit Gleitschirmen und Heißluftballons mittlerweile auch den Luftraum erobert. Nicht "vorhersehbare" Störereignisse wie plötzlich auftauchende Luftvehikel oder Mountainbikes beunruhigen Gämsen (und andere Huftiere) deutlich stärker und nachhaltiger als die "kalkulierbaren" Störungen, die von festen Linien wie z.B. Wanderwegen ausgehen, da hier ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt. Häufige Störungen haben nicht nur Einfluss auf die natürliche Aktivitätsperiodik und die Habitatwahl der Tiere (zeitliches und räumliches Ausweichen), sondern können sich nach Schweizer Untersuchungen auch negativ auf die Kondition der Gämsen auswirken.



     Zur Entwicklung der Jagdstrecke und zur Verbreitung siehe Jagdbericht Baden-Württemberg



Siehe auch: Wildschaden (zum Einfluss von Störungen auf den Verbiss) und

 WFS-Mitteilung 1/2003: Gamswild im Oberen Donautal - eine Konfliktanalyse (75 KB)

Fußleiste